Die Geschichte einer inneren Wandlung
erschienen in YOGA JOURNAL 1/2010
Der Lebensweg der erfolgreichen TV-Autorin und Regisseurin Yasmina Bauernfeind ändert sich radikal, als sie Chariji begegnet, einen indischen Meister des Raja-Yoga. Er lädt sie nach Indien ein – und sie bleibt dort zwanzig Jahre lang…
j
Der Untertitel Ihres Buches „Wiederverzauberung“ lautet: „Wie ich das Drama des Lebens verließ und innere Freiheit fand“. Warum Drama?
Vor meiner Begegnung mit Chariji habe ich mich beeinflusst und konditioniert gefühlt. So etwas passiert schleichend – keiner bemerkt es, weil wir alle in einer Art Box leben, konditioniert durch Erziehung und die Glaubenssätze der Eltern, der Schule, der Gesellschaft. Ich dachte einfach, das Leben ist schwierig, merkte aber auch, dass mir etwas fehlte.
Gab es da einen Wendepunkt?
Als mein Vater krank wurde. Ich habe mich immer mehr in meine eigene Welt zurückgezogen – fast wie eine Abspaltung.
Während Sie im „äußeren Leben“ recht erfolgreich wurden…
Das ging Schlag auf Schlag. Ich habe noch studiert, während ich begonnen habe, Filme zu drehen, und schnell gemerkt, dass das meine Welt war. Die sogenannten Freunde in New York, der Glamour, das Schnelllebige – das hatte schon seinen Reiz. Gleichzeitig fehlte mir Wärme und Menschlichkeit. Irgendwann war alles ausgereizt, und mir wurde bewusst, wie allein und einsam ich war.
Dann trafen Sie Ihren Lehrer.
Ja, als ich in Deutschland zu Besuch war. Es hat aber nicht sofort „gefunkt“. Erst zwei Jahre später, als ich nach Indien ging, sind die Türen aufgegangen.
Indien. Zwei Kapitel im Buch lauten „Indien ist schrecklich“ und „Indien ist schön“. Diese Diskrepanz erleben westliche Besucher oft: Kulturschock und Verzauberung zugleich. Wie war es zu Beginn bei Ihrem Meister?
Es war ganz wundervoll. Chariji hat die Gäste damals in seinem Haus empfangen, sie sind sozusagen ins Wohnzimmer gestolpert. Dieser sehr persönliche Zugang zu ihm war ein großes Geschenk. Ich bin einfach versunken in dieser Schönheit, in diesem mütterlichen Raum, dieser Buntheit und Lebendigkeit. Als ich dann das zweite Mal nach Indien kam, stellte sich mir die Frage gar nicht mehr, ob die Entscheidung richtig war. Wie, wenn Sie ein neugeborenes Kind anstrahlt: Pure Freude und Glück! Sowohl das äußere Verhalten dieses Meisters, als auch der innere Zustand, den er in mir ausgelöst hat – ohne Fragen. Ich war einfach in der Einheit.
Später aber, wie es auf dem Inneren Weg meist geschieht, kamen sie wieder, die alten Muster und Zweifel. Gab es da Momente, an denen sie gesagt haben: Ich höre jetzt auf, das ist mir zu viel?
So ein Meister holt alle Emotionen, Muster und Projektionen aus einem heraus. Im Grunde wollte ich damals sehr stark kontrollieren und verstehen. Das hat er einfach vom Tisch gewischt. Ich bin da wirklich durch die Hölle gegangen!
Haben Sie sich für diese einzelnen Schritte – zum Beispiel, nach Indien zu gehen – selbst nach und nach entschieden, oder war es einfach ein Ruf des Herzens, dem Sie gefolgt sind?
Das Ego zweifelt natürlich. Innerlich bin ich etliche Male gefragt worden: Willst Du das? Nach und nach wurde mir aber klar, dass ein größerer Plan im Leben existiert – und von dem weiß meine Seele!
Viel später erst haben Sie, wie Sie schreiben, Ihre Mitte gefunden. Ein Weg der Wandlung braucht seine Zeit…
Oh ja! Ein paar Patentrezepte und Affirmationen reichen eben nicht aus, um wirklich etwas zu bewirken. Man kann nichts überstürzen, muss Geduld haben und sich Raum geben, auch Widerstände haben zu dürfen. Ich glaube, für mich war der entscheidende Schritt, mich schließlich von der Figur des Meisters zu lösen. Das ging über etliche Jahre. Nach und nach konnte ich verinnerlichen, was er mir immer vermittelt hatte – dass es einfach diese anderen Dimensionen gibt, ohne Trennung. Und diese finden wir in unserer Stille, unserem Herzen. Auf irgendeine wunderbare Weise habe ich zu mir selbst gefunden.
(c) 11/2009 Thomas Schmelzer
l
Nach einem Jet Set-Leben zwischen München, Kitzbühel, Sankt Moritz und New York, einem Job am Metropolitan Museum of Modern Art, Freundschaften mit Michael Douglas und Jacqueline Kennedy sowie vielen Jahren an der Seite ihres indischen Lehrers Parthasarathi Rajagolpalachari, gennant Chariji, widmet sich Yasmina Bauernfeind seit 2002 ganz der Heil- und Bewusstseinsarbeit und hilft als Lebensberaterin anderen Menschen auf ihrem Weg. Ihr Buch „Wiederverzauberung“ ist im Scorpio Verlag erscheinen.