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- SpiritMedia von Thomas Schmelzer


2012 – Was wird geschehen?

erschienen in VISIONEN 1/2012

Die Esoterik hat ein neues Lieblingsthema: Das Jahr 2012. Unzählige Buchveröffentlichungen, Filme und Kongresse beschäftigen sich mit diesem Kulminationspunkt unterschiedlichster Erwartungen. Stehen wir wirklich kurz vor einer „Wendezeit“ – einer Krise, die neben Katastrophen und Umbrüchen auch die Chance zu einer Transformation bietet? Es ist wahr – wir leben in herausfordernden Zeiten voller Veränderung. Wo aber endet die Realität, und wo beginnt der Mythos einer „Besseren Welt“, die sich verständlicherweise viele Menschen wünschen?

Die Diskussionen gipfeln im Grunde in zwei Szenarien: Endzeit, wie uns im Blockbuster „2012“ von Roland Emmerich eindrucksvoll, aber furchteinflößend dargestellt wird – oder eine Transformation von Erde und Bewusstsein in die „fünfte Dimension“ mit der Aussicht auf globale Erleuchtung. Was also wird passieren?

Wendepunkte im Wandel der Zeit

Wendezeit, die gab es immer wieder. So sorgte die Millenniumserwartung im Mittelalter für große Panik. Der Archetyp einer Apokalypse, der besonders gut in krisenhaften Zeiten zu funktionieren scheint, hat folgende Botschaft: Alles wird sich zum Guten wenden. Zuvor jedoch muss eine Krise und müssen Katastrophen ausbrechen, das Alte zerfallen, damit Neues möglich wird.

Kleine und große Wendepunkte kennen wir alle: Die wilden 68´er beispielsweise, die für ein Aufblühen neuer Künste und Denkweisen sorgten. Dann „New Age“ – das vielbeschworene Wassermannzeitalter, das u.a. durch Marilyn Fergusons hervorragend recherchiertes Werk „Die sanfte Verschwörung“ eingeleitet wurde.

Auch die „Harmonische Konvergenz“ im Jahre 1987 war für viele spirituell Interessierte ein friedlicher Wendepunkt. Ganz ohne Internet gelang es José Argüelles, mehr als 100.000 Menschen zu friedvollen Meditationen und Aktivitäten zusammenzuführen. Argüelles gilt auch als Entdecker des Maya Kalenders – vielmehr einer bestimmten Deutung: Bereits 1973 sprach er vom „Ende der historischen Zivilisation“ im Jahre 2012.

Dann der Wirbel um 2000 – zum Glück ein fröhliches Spektakel, bei dem nicht ein einziger Computer abstürzte, aber auch massenhafte Erleuchtungserlebnisse ausblieben. Beliebt war auch die gechannelte Botschaft, dass wir von außerirdischen Freunden gerettet und evakuiert würden, während die Erde eine fundamentale Umstülpung erfahre. Und, wäre es nicht ein tolles Abenteuer, Außerirdischen zu begegnen und mit Ihnen durchs All zu reisen, weg aus dem schnöden Alltag? Endlich keine Steuererklärungen und kein Abwasch mehr!

Und schließlich 2012. In Emmerichs Film ist es eine Konföderation der wichtigsten Staate, die die Menschen vor dem Untergang zu retten versucht – jedenfalls einen ausgewählten Teil. Auf der durchaus originellen Webseite konnte man sich schon mal für die Evakuierung bewerben…

Beweist die Wissenschaft Mythen der Maya?

Spannend wird es, wenn Wissenschaft auf Prophezeiungen alter Völker trifft, und dies scheint bei den Maya der Fall zu sein: Dieses kulturell ungewöhnlich hoch entwickelte Volk hatte mehr als 20 Kalender, mit denen ganz unterschiedliche Zyklen berechnet wurden – ausgerichtet nach unterschiedlichen Abläufen in der Natur wie Sonne, Mond, Gezeiten. Diese Kalender, von denen Haab, Tzolkin und „Lange Zählung“ die Bedeutensten sind, sind ineinander verzahnt, so dass jeder Tag durch die Kombination der unterschiedlichen Kalendertage eine besondere Energie hat.

Exakt am 20./21. Dezember 2012 kommen nun mehrere Ereignisse zusammen: Zunächst endet ein Zyklus von 5125 Jahren. Des Weiteren endet eine ganze „Menschheitsepoche“ von 26.000 Jahren, was oft mit dem „Platonischen Jahr“ gleichgesetzt wird – die Präzessionsperiode der Erde. Außerdem herrscht an diesem Datum eine besondere astronomische Konstellation: Die Erde liegt exakt am Äquator unserer Galaxie.

Dass an einem Äquator besondere Bedingungen herrschen, weiß man auch auf der Erde. So ändert sich dort beispielsweise die Richtung eines jeden Wirbelwinds. Damit nicht genug: Am besagten 20./21. Dezember steht zusätzlich die Sonne genau zwischen der Erde und dem Zentrum der Galaxie. Nun gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, dass seit ca. 10 Jahren aus diesem Zentrum immer stärker werdende Gamma-Strahlen auf uns gerichtet sind. Die Sonne könnte sozusagen wie ein Katalysator diese Energie noch verstärken.

Und auch die Sonne selbst hat es in sich. Der Biophysiker Dieter Broers sammelte zahlreiche Belege dafür, dass jede Veränderung der Sonne einen starken Einfluss auf unsere Erde, das elektromagnetische Feld, unsere DNA und sogar unser Bewusstsein hat. Nach jahrzehntelanger interdisziplinärer Forschung steht für ihn fest, dass wir ganz besonderen Veränderungen ausgesetzt sind. Die NASA ließ in einer Pressemitteilung verlauten, dass die Sonne im Jahre 2012 starke Sonnenwinde in das All und damit auch auf die Erde schleudern wird. Broers´ Theorie: Diese Energien sind nicht zufällig, sondern bedeuten einen ganz natürlichen Impuls für unseren nächsten Schritt in unserer Evolution.

Faszinierend ist das schon: Die Maya fühlten sich spirituell geführt von ihrem Gott „Kinich Ahau“ – ein Meister, der Geist der Sonne, wie auch der Quell allen Lebens im Zentrum der Galaxie. Tatsächlich berichten die Legenden der Maya von diesem Zentrum der Galaxis, der „kosmischen Mutter“, mit dem wir in direktem Kontakt treten werden. Und schließlich, so José Argüelles, gebe es auch bei den Maya die Legende, dass uns aus dem Zentrum der Galaxis ein „Synchronisationsstrahl“ bei der bevorstehenden Transformation helfen wird.

Thesen und Prophezeiungen

Auch der amerikanische Bestsellerautor Gregg Braden sieht eine Wendezeit kommen. Während zahlreicher Begegnungen mit indigenen Völkern unterschiedlicher Kulturen stieß er immer wieder auf folgende Aussage: Wir leben in einer besonderen Zeit, die Menschheit müsse sich entscheiden, die Chance zur Transformation ist hautnah. So gibt es Prophezeiungen der Hopi, der Tibeter, und auch in den indischen Veden ist die Rede vom „Dunklen Zeitalter“, dem Kali Yuga, das wir nun auf dem Weg sind, zu überwinden.

Laut Braden spricht vieles dafür, dass unsere Zeit einen zyklischen Verlauf hat – etwas wovon ebenfalls viele Indigene Kulturen immer gesprochen haben. Nach seiner Theorie einer „fraktalen Zeit“ wiederholten sich bestimmte Ereignisse in einer nach der Chaostheorie hergeleiteten Berechnung. Alles beginnt mit einem ersten Ereignis. Wenn ein zweites, ähnliches geschieht, lässt sich daraus das dritte berechnen und damit „vorhersagen“. Wir aber seien diesem nicht hilflos ausgeliefert: Immer haben wir die Chance, dieses Muster zu durchbrechen und zu verwandeln, wenn wir uns anders, friedvoller verhalten. Im Jahre 2011 und 2012 – wer hätte das gedacht – kommen nun gleich mehrere dieser sich wiederholenden krisenhaften Zustände zusammen. In seinem Buch findet sich ein genauer Berechnungsschlüssel. Es bleibt jedoch der Verdacht, dass einfach jene geschichtlich sich wiederholenden Ereignisse herausgefunden wurden, die besonders gut auf 2012 passen…

Vielleicht geschieht derzeit tatsächlich eine Art Erwachen bei vielen Menschen, wie Arjuna Ardagh in „Die lautlose Revolution“ untersuchte. In einer großen Interviewreihe bestätigten ihm eine ganze Reihe spiritueller Lehrer, dass seit Anfang der 1990er Jahre plötzlich viele Menschen intensive Einheits- und Erwachenserfahrungen hatten. In früherer Zeit sei dies sehr selten vorgekommen.

Der Vollständigkeit halber seien noch Botschaften aus der Geistigen Welt erwähnt – Engel, aufgestiegene Meister und Wesen von anderen Planeten. In gechannelten Büchern vermitteln sie uns in meist schöner, epischer Sprache, dass wir auf dem Wege seien, zu einem neuen Miteinander zu kommen – einem gemeinsamen Aufstieg in die „fünfte Dimension“, ja, im Jahre 2032 – laut Diana Cooper – gar in eine globale Erleuchtung. Oft haben solche Bücher eine tröstliche und harmonisierende Funktion für den Leser, weil es um Versöhnung mit dem Herzen und dem Leben geht. Ob nun tatsächlich beispielsweise Erzengel Michael selbst gesprochen hat – das sei dahingestellt.

Was können wir wirklich wissen?

Nun liegt es ja in unserer Natur, die Zeit, in der wir uns befinden, als eine ganz besondere anzusehen. Wahrscheinlich ging es den Menschen im Jahre 1.000 genauso. Wie groß also ist die Verführung, bestimmte Phänomene und Theorien zu betonen, die auf das Jahr 2012 passen? Tatsächlich gibt es zu fast allen genannten Szenarien auch andere Meinungen und Sichtweisen. Tatsächlich wissen wir nicht einmal, was in der nächsten Stunde wirklich passiert.

Sehen wir uns beispielsweise die These des gemeinsamen Aufstiegs an. Was bei diesen Diskussionen oft zu kurz kommt: Die individuelle Entwicklung des Einzelnen. Einige spirituelle Lehren wie die Theosophie, Anthroposophie oder auch Ken Wilber betonen, dass wir – neben der gegenseitigen Verbundenheit – als Einzelwesen möglicherweise auf ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen stehen, und dass deswegen für jede Seele ganz andere Themen und Lebensbereiche wichtig sind. Während der Eine die Erfahrung von körperlicher Auseinandersetzung sucht und braucht, sehnt sich ein Anderer nach Einheitserfahrung im Göttlichen Ganzen. Wenn also jeder von uns auf einer anderen Stufe steht, dann funktionieren die ganzen vereinenden Theorien gar nicht mehr. Mag sein, dass unsere Erde sich nun weiterentwickelt, mag sein, dass ein bestimmtes Gruppenkarma die Entwicklung eines Volkes beeinflusst – jeder Mensch aber ist trotzdem eine einzigartige Wesenheit, und nicht jeder sieht sein Heil darin, miteinander in Gemeinschaft aufzusteigen.

Aber Eines ist offensichtlich: Wir leben in kritischen Zeiten. Wenn sich gewisse Dinge nicht bald fundamental ändern, sieht es schlecht aus um unsere Finanzen und um unsere Erde (was ist wohl wichtiger…?). Selbst Prof. Ervin Laszlo, weltweit anerkannter Systemwissenschaftler und Philosoph mit mehr als 45 Buchveröffentlichungen, sieht im Jahre 2012 einen „Weltwende“ – eine Chance, das Ruder noch einmal herumzureißen. Eigentlich gäbe es genug Nahrung für alle – wenn nur die Gier nicht wäre. Wie heißt es in einem britischen Witz: „Das Brot teilen wir gern, aber die Butter bleibt hier!“.

Der amerikanische Journalist Daniel Pinchbeck meint in seinem spannend geschriebenen „2012 – Die Rückkehr der gefiederten Schlange“: „Meine These ist, dass die schnelle Entwicklung der Technologie und die Zerstörung der Biosphäre materielle Begleiterscheinungen eines psycho-spirituellen Prozesses sind, die auf einer planetaren Ebene stattfinden. Wir haben die Krise selbst erschaffen, um unsere eigene beschleunigte Transformation zu forcieren – auf einer unbewussten Ebene haben wir sie absichtlich ins Sein gerufen.“. Broers wiederum, dessen wissenschaftliche Erläuterungen wirklich faszinierend sind, sieht diesen Wandel als naturgegeben, geleitet von der Sonne.

Nur das Jetzt ist real

Ja, miteinander können wir viel erreichen! Der 2012-Pionier José Argüelles bezauberte in seinem Vortrag auf dem 2012-Kongress mit dem Appell, Wege zu einem ehrlichen, wahrhaftigen Miteinander zu suchen: „Der menschliche Geist kann Gewitter erzeugen. Wir haben keine Ahnung, was geschieht, wenn Millionen Menschen gemeinsam einen positiven Gedanken träumen. Wenn wir alle gleichzeitig Mutter Erde im Herzen visualisieren, mit einem Regenbogen drum herum, wäre das nicht schön?“.

Der menschliche Geist ist unerschöpflich in seiner Kreativität, bekannte, beobachtbare Fakten mit Vermutungen und Szenarien zu ergänzen. Für jede These gibt es eine Gegenthese, doch wir spekulieren weiter. Zu vermuten, wohin die Reise geht, das hat uns immer interessiert. Und so entwickeln wir komplexe Szenarien, die uns beruhigen, mit denen wir uns die ungewisse Zukunft etwas sicherer machen wollen.

Solche Visionen sind manchmal hilfreich, weil sie uns vorantreiben, unsere Welt besser zu machen – aber manchmal lenken sie uns auch vom Wesentlichen ab: Dem Hier und jetzt, unseren gegenwärtigen persönlichen und gesellschaftlichen Problemen. Manche Autoren raten, sich auf 2012 „vorzubereiten“, dann ganz bewusst und im Herzen zu sein. Aber: Warum nicht hier und jetzt? Nur das Jetzt ist real. Jeder gute Gedanke, jede gute Tat hat eine Wirkung und sorgt dafür, dass das Morgen tatsächlich schöner wird.

Aber – ein bisschen gespannt sein dürfen wir schon!

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Buchtipps:

  • Dieter Broers: (R)Evolution 2012: Warum die Menschheit vor einem Evolutionssprung steht. 320 Seiten, Scorpio Verlag, 19,95 Euro
  • Gregg Braden: “Fractal Time”, Koha Verlag
  • Daniel Pinchbeck: 2012: Die Rückkehr der gefiederten Schlange“, Sphinx Verlag und Heyne Verlag (TB)
  • Drunvalo Melchizedek: „Schlange des Lichts – Jenseits von 2012“, Koha Verlag
  • Carel Bernd Nossack: „Das 2012-Rätsel – Zeitenwende oder Weltende?“, Ullstein Verlag (Allegria TB)

© Dezember 2009 – Thomas Schmelzer