Kurzgeschichte
Peter wunderte sich über gar nichts mehr. Gerade war er noch im Büro gewesen, hatte seinen Schreibtisch aufgeräumt, als wieder diese Stimme zu ihm sprach: “Geh hinaus. Lebe. Werde neu!”
Nun gut, dachte er, warum nicht?
Es war schließlich das dritte Mal, daß er diese Worte in seinem Kopf hörte. Das erste Mal war er völlig fassungslos, hatte sich umgesehen, aber es war niemand ausser ihm im Raum gewesen.
Dann noch einmal, auf der Heimfahrt im Zug, einfach ein “Na, alles klar?”.
Und jetzt wieder!
Tja, rausgehen solle er…
“Warum nicht!” – wiederholte die Stimme seine Gedanken.
Nun stand er auf der Straße und blickte um sich. Viele Passanten unterwegs – es war schließlich eine Einkaufsstraße. Da stand er nun, und irgendwie ging es ihm gut damit. Schon interessant, dachte er, wenn man einfach mal einem Impuls folgt, woher er auch kommen mag – nicht das einfachste für einen Bankangestellten, der der Sicherheit seines Arbeitsplatzes viel zu verdanken glaubte…
“Warum nicht nach rechts gehen, ein bißchen die Straße entlang!” sprach wieder die Stimme, als wisse sie, mit welchen Worten sie ihn erreichen könne. Klar, dachte er, wenn sie schon in meinem Kopf ist, kennt sie ja auch meine Gedanken…
Mit leicht mulmigen Gefühl, vielleicht nun gar keine Geheimnisse mehr haben zu können, jedenfalls nicht gegenüber dieser Stimme, ging er los. Vorbei an Geschäften, Rechtsanwaltspraxen, Hunden, schwer bepackten Frauen beim Einkauf, Kindern – und Herrn Müller.
Nicht jetzt, dachte Peter flehentlich und war froh, unerkannt an dem immer sehr neugierigen Kollegen vorbeigehen zu können. Ein Gesprächspartner war ihm im Moment wirklich genug…
“Stop!” – sprach es plötzlich.
Er blieb stehen.
In dem Moment stolperte ihm von rechts, wohl aus einer Seitenstraße kommend, eine junge Frau entgegen, so daß beide auf die Straße fielen. Besorgt blickte er zu ihr, ob ihr nichts passiert war.
Er sah in ihre Augen, und plötzlich war nichts mehr, wie es einmal war. Sie lächelte. Er sah sie an, und war umgeben von Licht und Wärme…
Zehn Jahre später, er saß mit ihr Arm in Arm auf einer Hollywoodschaukel, als ihm diese Stimme wieder einfiel, die auf so seltsame Weise sein Leben verändert hatte.
Er dankte ihr still und blickte über den See.
“Oh bitte, gern geschehen!” – sprach es plötzlich in seinem Kopf…