Zum Inhalt springen


- SpiritMedia von Thomas Schmelzer


Evolution des Bewusstseins

Gedanken zu spirituellen Evolutionstheorien

Evolution – spannendes Diskussionsfeld in der heutigen Wissenschaft, Theologie und spirituellen Philosophie. Sind wir die Krönung der Evolution? Oder ein Zwischenglied, dessen weiterer Entwicklungsweg durch spirituelle Meister angedeutet wird?

Im Mainstream-Journalismus sind eigentlich nur zwei Extrema bekannt: Darwinismus und „Intelligent Design“. Also entweder eine durch Zufall und Selektion aus der Materie entstandene Struktur – oder: vom Schöpfer gestaltetes Leben. Weniger bekannt ist, dass es schon lange komplexere Evolutionstheorien und –lehren gibt, die eine Weiterentwicklung der Materie UND des Geistes in der Materie beschreiben, wie beispielsweise die Theosophie und die Anthroposophie. Während die Theosophie sich auf uralte vedische und buddhistische Texte beruft und bereits um 1900 herum die Weiterentwicklung des Kosmos, aber auch der Erde in langen Zyklen beschreibt, gilt für die Anthroposophie Rudolf Steiners das „Mysterium von Golgatha“ als entscheidende Wegmarke und Wendepunkt des kosmischen Werdens. Sri Aurobindo, Pierre Teilhard de Chardin und Jean Gebser sind weitere Namen des 20. Jahrhunderts, die für die Beschäftigung mit Evolution im spirituellen Sinne stehen.

In Amerika finden sich seit einiger Zeit weitere interessante Theorien. Besonders Ken Wilber und Andrew Cohen sind sich einig, dass wir uns jetzt in einer einmaligen Situation befinden: Langsam können wir die Chance ergreifen, schöpferisch uns und damit die Erde zu transformieren. Wir sind also Mit-Schöpfer der weiteren Entwicklung, und so hängt alles auch von uns ab. Gut zu verfolgen im spannenden und originell gestalteten „What is enlightenment?“. Jüngst hat auch das Forum um die anthroposophische Zeitschrift „info3“ zu einem vermehrten Dialog mit den Machern von „What is enlightenment?“ aufgerufen, und es gab schon gemeinsame Konferenzen dazu in Deutschland. Das liest sich erfrischend und belebend… Immer häufiger hört man in diesem Zusammenhang von einem „integralen Bewusstsein“, also einer Verbindung von Entwicklung des Geistes und der Materie im Leben des Einzelnen und der Erde.

Don Beck hat mit „Spiral Dynamics“ eine weitere Theorie geschaffen, die von einer Bewusstseinsevolution des Kollektiven spricht, die sich in ganz verschiedenen Lebensweisen ausdrückt, je nach Stufe. Damit sandte er interessante Impulse in die Politik, darauf zu achten, welche Bedürfnisse beispielsweise ein bestimmtes Volk hat, das auf einer bestimmten Stufe steht. Aber: Wie sehr ist das eine gut klingende Theorie, und wie sehr Wahrheit? Schnell kann hier klassifiziert und beurteilt werden.

Versimplifiziert finden sich manche dieser Ideen in „Die Prophezeiung der Celestine“, die auch klar von einer Wendezeit spricht. Die Berichterstattung um die Dreharbeiten haben sich dann auch überboten von „unglaublichen Zufällen, die gar keine sind“, und natürlich gab es auch in der „WIE“ eine ausgiebige hymnische Besprechung.

Wendezeit. Ein beliebtes Wort in der neuen Esoterik. Das „New Age“ galt ja schon in den Achziger Jahren als ein heißes Thema. 2000 erwarteten so manche einen entscheidenden Wandel allen Lebens und waren dann doch etwas enttäuscht, wenn sie noch immer Geld verdienen und selbst den Abwasch machen mussten, anstatt durch einen von außerirdischen Helfern liebevoll begleiteten Aufstieg endlich von diesen banalen erdgebundenen Tätigkeiten erlöst zu werden.

Beliebt in diesem Zusammenhang ist die Erwartung des Jahres 2012. Der Maya – Kalender endet dort – und so, darin sind sie die Deuter einig, unsere Zeit, wie sie bis dahin Gültigkeit hatte. Was aber heißt das? Endet alles? Oder steht ein Wandel bevor, den wir nicht verstehen können, weil wir ihn ja noch nicht erlebt haben?

Eines ist klar: Wir leben in einer spannenden Zeit. Auf der Erde spitzt sich die Lage zu, alles schreit nach einer Veränderung, die wir uns alle sicherlich möglichst sanft wünschen, beispielsweise die immer höhere Staatenverschuldung oder die ökologische Zerstörung (wo zum Glück ein neues Bewusstsein am Erwachen ist). Noch nie zuvor waren wir so vernetzt – durchs Internet, durchs Wirtschaftssystem, durch den Austausch von Information, mit allen Vor- und Nachteilen. Immer mehr wird den Menschen klar, dass es nur durch ein Miteinander weitergehen kann. Die Prophezeiungen vieler Völker beziehen
sich genau auf diese unsere Zeiten – und es gibt auch kosmologische Erklärungen, die von einer besonderen Einstrahlung aus dem Zentrum der Galaxie sprechen, die im Jahre 2012 durch die Sonne auf uns einwirken und energetisch eine globale Veränderung bewirken soll (siehe dazu die Aufzeichnungen über den „Photonenring“ oder „ Transformation der Erde“ von Morpheus).

Eine spannende Betrachtung über unser Bewusstsein liefert Arjuna Ardagh in seinem Buch „Die lautlose Revolution“: Seit ca. 15 Jahren beobachten eine ganze Reihe namhafter spiritueller Lehrer, dass plötzlich fast die Mehrzahl ihrer Schüler gewisse Erwachenserfahrungen eines neuen Bewusstseins erleben, das früher nur Wenigen beschieden war.

Wie geht´s nun weiter? Wer kann das wissen? Die Theosophie spricht von Jahrtausende langen Zyklen. Krisen sind immer mal drin, aber so schnell sind wir nicht auf Stufe 7. Andere Quellen sprechen von einer höheren Dimension, in die wir uns alle hineinbewegen. Sind wir in Kürze alle karmafrei und leben in Glück und Harmonie? Wäre doch zu wünschen, oder (obwohl: im Fernsehen mag ich ja gerne spannende Krimis. Also: Ein bisschen Spannung darf schon sein…)?

Was wird passieren? Können wir es wirklich wissen?

Was meiner Meinung nach bei diesen Diskussionen oft zu kurz kommt: Die individuelle Entwicklung des Einzelnen. Einige spirituelle Lehren, wie auch die Theosophie oder die hervorragende Seelenlehre „Archetypen der Seele“ von Varda Hasselmann und Frank Schmolke betonen, dass wir ja nur zum einen Teil kollektiv miteinander verbunden sind. Selbst die Gene bestimmen nur bestimmte Eigenschaften unseres Menschseins. Viel entscheidender ist aber, dass
wir uns alle möglicherweise in einem ganz unterschiedlichen Seelenalter befinden – und dass deswegen für jede Seele ganz andere Themen und Lebensbereiche wichtig sind. Während der Eine die Erfahrung von körperlicher Auseinandersetzung sucht und braucht, sehnt sich die Andere nach einem Aufgehen im Göttlichen Ganzen. Während die Eine im Kollektiv gemeinsam schöpferisch die Welt verändern will, sucht der Andere im Stillen, in einer Höhle, das Göttliche in sich zu erfahren.

Wenn also jeder von uns auf einer anderen Stufe steht – und wir im Normalfall glücklicherweise gar nicht wissen, wo unsere Stufe ist – dann funktionieren die ganzen vereinenden Theorien gar nicht mehr. Mag sein, dass unsere Erde sich nun weiterentwickelt, mag sein, dass ein bestimmtes Gruppenkarma die Entwicklung eines Volkes beeinflusst – jeder Mensch aber ist trotzdem eine einzigartige Wesenheit, und niemand kann wissen, ob nicht im Bettler von nebenan oder in der Mutter in Südafrika eine erleuchtete Seele lebt.

Überhaupt ist das ganze Denken in Stufen ja auch wieder nur eine Theorie – und nicht ungefährlich: Wenn eine Gruppe oder die Herrschenden der Gruppe festlegen, wer wo steht, kann das nur zu Konflikten führen. Und wenn es solche Stufen gibt – dann kann ja nur der wirklich objektiv darüber berichten, der alle schon erlebt hat. Sind also alle Autoren, die solche Stufensysteme erkannt oder konstruiert haben, erleuchtet?

Könnte es nicht so sein?:

Das göttliche Sein kommt und geht in mannigfaltigen Formen. Kosmen entstehen und vergehen. Dieses Göttliche Spiel erzeugt beispielsweise göttliche Funken, uns Menschen, die dann einen Teil des Spiels erkennen können, sich kurz als die Krone der Schöpfung fühlen dürfen, um sich danach wieder zu wandeln. Diese Menschen glauben, an einer besonderen Stufe zu stehen, weil sie nicht wissen, wie die Menschen in früheren Zeiten gelebt und gefühlt haben. Tatsächlich aber waren diese viel mehr mit dem Kosmos und allen Energien verbunden, waren viel mehr in der Einheit, entschieden aber sich dann, ein bisschen mehr in die Materie zu gehen mit einem grobstofflichen Körper – einfach um der Erfahrung willen. Gerade WEIL die Menschen in der inkarnierten Form nicht mehr wissen, wie es ist, wenn man mit allem kommunizieren kann und deswegen keine Zeitung braucht, fühlen sie sich kurzzeitig als etwas ganz Besonderes und definieren den ultimativen Wandel allen Seins genau hier und jetzt. Das Göttliche aber lebt und webt in allen Dingen…

Conclusio:

Wer kann es wirklich wissen? Was können wir sagen über die Zukunft, die jetzt noch nicht ist und nur von unserem jetzigen Bewusstsein aus vermutet werden kann?

Vielleicht spielen ja alle vier Aspekte eine Rolle:

Das individuelle Karma, Leben des Einzelnen,

Genetische Bedingungen,

kollektives Bewusstsein der Gruppe, des Volkes, des Landes

und

globale, ja kosmische Veränderungen.

Welche Gewichtung nun die einzelnen Teile haben – wer weiß?
Das Leben ist so komplex, so überraschend…

Eines ist klar: Es bleibt spannend!

(c) 2008 Thomas Schmelzer